Monopolisierung stoppen, Lieferengpässe vermeiden und Patientensicherheit stärken!

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Bracco Imaging verzichtet erneut auf Teilnahme an Exklusivausschreibungen für Kontrastmittel

In den KV-Regionen Nordrhein und Westfalen-Lippe wurden im August 2023 erneut wirkstoffübergreifende Exklusivausschreibungen für Kontrastmittel im Ein-Partner-Modell durchgeführt. Die Bracco Imaging Deutschland GmbH gibt nun bekannt, dass sie die Teilnahme an der diesjährigen Vergabe erneut abgelehnt hat. Das Unternehmen hatte bereits im letzten Jahr bewusst auf die Teilnahme an Exklusivausschreibungen für Kontrastmittel in den KV-Regionen Rheinland-Pfalz, Saarland und Schleswig-Holstein verzichtet. Warum Bracco Imaging auch dieses Mal nicht teilnimmt und warum Exklusivausschreibungen die Gesundheitsversorgung und den Wettbewerb zwischen Kontrastmittelherstellern gefährden, erklärt Chakib Lemzouri, Leiter Gesundheitspolitik und Tender der Bracco Imaging Deutschland GmbH:

„Unserer Ansicht nach gibt es keine gesetzliche Grundlage für die Exklusivausschreibungen bei Kontrastmitteln. Wir setzen uns nun schon seit mehreren Jahren intensiv gegen diese gängige Praxis ein, haben bereits Klage beim Sozialgericht eingereicht und diesen Sommer ein Positionspapier zum Thema veröffentlicht. Deshalb stand schnell für uns fest, dass wir uns an Exklusivausschreibungen in den KV-Regionen Nordrhein und Westfalen-Lippe nicht beteiligen werden.

Bei den alle zwei Jahre stattfindenden Exklusivausschreibungen wählen gesetzliche Krankenkassen anhand der niedrigsten Preise nur einen Kontrastmittelhersteller pro Fachlos aus. Auf diese Weise beschränken sie die Anbietervielfalt und die ärztliche Therapiefreiheit. Aspekte wie Strahlenschutz, Verträglichkeit und Dosierung spielen bei der Wahl der Kontrastmittel nur eine Nebenrolle – Patienten erhalten deshalb unserer Ansicht nach nicht immer die angemessene Untersuchung. Zugleich fördern Exklusivausschreibungen eine Monopolisierung, die wiederum Lieferengpässe begünstigt. Der Gewinner der Ausschreibung muss eine hohe Nachfrage decken. Kommt es bei ihm unter anderem aufgrund langer außereuropäischer Lieferketten zu Engpässen, ist die Versorgung mit Kontrastmitteln für lebenswichtige Untersuchungen in Deutschland nicht mehr sichergestellt. Erst letztes Jahr waren insbesondere die KV-Regionen Nordrhein und Westfalen-Lippe bereits von Kontrastmittelengpässen betroffen. Die Kostenträger sehen offenbar immer noch nicht ein, dass Exklusivausschreibungen die sowieso schon bestehenden Lieferschwierigkeiten mit Kontrastmitteln noch verstärken.

Exklusivausschreibungen im Ein-Partner-Modell sollten unserer Meinung nach dringend überdacht werden. Sie führen zu den oben dargestellten Nachteilen, während sie keinerlei erkennbare (Kosten-)Vorteile für behandelnde Ärzte oder Krankenkassen bieten. Deshalb kommt aus unserer Sicht für einen Kontrastmittelhersteller wie Bracco Imaging die Teilnahme an solchen Exklusivausschreibungen nicht in Betracht. Wir und möglicherweise auch andere Hersteller verzichten vor diesem Hintergrund auf die Teilnahme an Exklusivausschreibungen in der Hoffnung, dass auch die Krankenkassen die vielfältigen Probleme erkennen, die Exklusivausschreibungen mit sich bringen, und diese Praxis überdenken. Statt der Exklusivausschreibungen im Ein-Partner-Modell plädieren wir für Exklusivausschreibungen in Mehr-Partner-Modellen oder ausgewogene Open-House-Verträge, die Ausfallrisiken minimieren und die Anbietervielfalt gewährleisten. Denn nur in funktionierenden Märkten gibt es auch genügend Anbieter.“

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Verfasser:

Chakib Lemzouri
Bracco Imaging Deutschland GmbH
Max-Stromeyer-Straße 116
78467 Konstanz
Tel.: 07531 3631-130
E-Mail: chakib.lemzouri@bracco.com